
Bis zum sechsfachen Mord auf Hinterkaifeck gehörte das Anwesen folgenden Eigentümern:
- Jacob Schmid (ab 04.09.1873)
- Johann Asam (ab 21.09.1876)
- Josef und Cäzilia Asam (ab 24.04.1877)
- Andreas und Cäzilia Gruber (ab 14.04.1886)
- Viktoria Gruber (ab 11.03.1914)
- Viktoria und Karl Gabriel (ab 03.04.1914)
Die Baugeschichte des Anwesens "Gröbern 27 ½", landläufig eher bekannt als "der hintere Kaifecker Hof" oder kurz "Hinterkaifeck", lässt sich in drei wesentliche Abschnitte gliedern:
1. Errichtung des Anwesens
Das Anwesen dürfte im Rahmen der Errichtung (vor 1870) aus dem bekannten Wohn- und Stallgebäude, sowie dem Stadel als Einfirsthof angelegt worden sein. Der Stadel war zu diesem Zeitpunkt noch komplett aus Holz gebaut und seine Nordwand fluchtete mit der gemauerten Nordwand des Wohn-/ Stallhauses. Der Dachstuhl des "Urstadels" war also in gleicher Richtung wie der Dachstuhl des Hauptbaus ausgerichtet und der Stadel besaß noch einen über seine gesamte Fläche gehenden Holzboden. Dieser wurde dann (vermutlich nach Errichtung der Futterkammermauern) aufgetrennt, und im linksseitigen Bereich (von der Stallwand bis zum rechten Unterzugbalken des Futterkammerbodens) entfernt, um einen einfacheren Zugang (Herabwerfen des benötigten Heus vom Heuboden ) zur Futterkammer zu erhalten.
Der rechtsseitige Bereich verblieb vor Ort und bildete den Bereich der "Strohremise".
2. Bau der Futterkammer
Innerhalb (gültig zumindest für die nördliche Giebelwand, siehe Versatz der Nordwände) des "Urstadels" wurde dann das Mauerwerk der Futterkammer hochgezogen.

3. Bau des Maschinenhauses
Als Erweiterung des Hofes wurde das "Maschinenhaus", (der Name bezieht sich zweifellos auf den im Bauwerk bestehenden Göpel), mitsamt den Toren der Scheunendurchfahrt an die südliche Futterkammermauer angesetzt. Dazu war es jetzt erforderlich, die Bretterverschalungen des "Urstadels" zu entfernen. (Was auch erklärt, warum die Südwand der Futterkammer keine Spuren von Verwitterung aufwies!)
Die Tragfunktion für den Dachstuhl wurde nun von der ursprünglichen Holzkonstruktion auf die Mauern verlagert; der "Restdachstuhl" des „Urstadels“ wurde zum Zwischendach, welches über dem Bereich der Futterkammer einen Pfettendachstuhl notwendig machte, um den Aufwand für den Winkelstoß zum neuen Stadel-& Maschinenhausdach in vertretbaren Grenzen zu halten.
Das Maschinenhaus selbst bekam ein Kehlbalkendach, da, zumindest im Bereich des Göpels, offensichtlich kein Dachboden vorgesehen war und der Raum der eigentlichen Nutzung wegen (Göpelbetrieb) stützenfrei zu halten war.
Der Versuch einer Rekonstruktion als Beleg der Baugeschichte
Auf dem Bild der Futterkammer kann man auf der linken Seite oberhalb des Nordtores zwei, mit Ziegelsplittern vermauerte, rechteckige Öffnungen (2 und 3, Bild 1 und 2) erkennen.


Des Weiteren ist ein Balkenstumpf (1, Bild 1) zu sehen. Verlängert man den Verlauf dieses Balkens, und legt ein Raster mit einem Rastermaß von 80 ± 10 Zentimetern, dem gängigen Balkenabstand einer Holzdecke, über den Grundriss des "Urstadels", erscheint der letzte Balken genau als Streichbalken zur nördlichen Mauer der Scheunendurchfahrt.
Der Abstand des Balkenstumpfs (1, Bild 1) zur oberen Öffnung (2, Bild 1 und 2) stützt die Annahme, dass dieser Balken (1, Bild 4) ursprünglich auf einem dazu querliegenden Balken (4, Bild 3) auflag, der als einer von insgesamt zwei Unterzügen für die gesamte Balkenlage diente, und die Stützweite dieser verringerte.


Die Ausbildung der unteren Öffnung (3, Bild 1 und 2) als "Hochrechteck" legt wiederum nahe, dass diese der Durchtritt eines Kopfbandes (5, Bild 3) durch die Mauer war, welches dazu diente, den Unterzug verschiebungsfrei zu lagern. Das aber bedeutet, dass die hölzerne Konstruktion existierte, bevor die Mauern der Futterkammer errichtet wurden.
Eine Aussteifung mit Kopfband macht nämlich nur Sinn, wenn der Unterzug an einem Ständer (6, Bild 4) außerhalb der Mauer aufgehängt war, da durch das Kopfband das Ausknicken dieses Ständers verhindert werden sollte.
Dieser Ständer war ein Teil der hölzernen Stadelkonstruktion (Bild 5), dem "Urstadel", der mit Brettern verschalt war (Bild 6).


Bild 7 schließlich zeigt den „Urstadel“ von Westen.

Nach dem Entfernen der Stadelschalung erfolgten das Ansetzen des Maschinenhauses und die Aufmauerung des östlichen Kniestocks sowie der nördlichen Giebelmauer (Bild 8).

Die Pfetten der Futterkammer wurden abgefangen, auf die Pfetten des neuen Maschinenhausdachstuhls "gehängt", und formten ab da das Zwischendach.
Der „durchgängige Boden“ (Bild 9) wurde aufgetrennt, und mitsamt dem „linksseitigen Bodentragwerk“ (Bild 10) entfernt.


Somit gestaltete sich die Innenansicht der Futterkammer und des Maschinenhauses gemäß Bild 11, zusammen mit dem Stadeldachstuhl nach Bild 12.


©hexenholz
---ENDE---
Die historischen Akten

Dank der Hilfe vieler User aus dem Forum von hinterkaifeck.net sind nun wesentliche Teile der in Augsburg und München eingelagerten Akten über den Mordfall erstmals zugänglich und können hier online eingesehen werden.
Der "FFB-Bericht"

Der im Jahr 2007 an der Fachhochschule für Verwaltung und Recht in Fürstenfeldbruck bei München erstellte Bericht über den Mordfall Hinterkaifeck ist hier erstmals öffentlich zugänglich.
Sterbebildchen
Das im Kirchlein Sankt Vitus in einem alten Kirchenbuch gefundene Bildchen der Hinterkaifecker Opfer gibt auch heute noch Rätsel auf.

Danksagung
Der Dank der Betreiber dieser Seiten richtet sich für ihre inhaltliche Zu- und Mitarbeit an alle "Privatermittler", welche den Mordfall Hinterkaifeck durch ihr privates Engagement und erheblichen Rechercheaufwand nicht in Vergessenheit geraten lassen.
Spenden für das Projekt
Wenn Sie die Betreiber von hinterkaifeck.net für nötige Server-, Software- und Recherchekosten mit einer Spende via PayPal bedenken wollen, benutzen Sie einfach den folgenden Button. Wir danken Ihnen herzlich für die Unterstützung!
