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Das Protokoll des Staatsanwaltes Pielmayer von 1926

Staatsanwaltschaft
für den
Landgerichtsbezirk N e u b u r g a.D.


Z u s a m m e n s t e l l u n g

über die Erhebungen betreffend
den sechsfachen Raubmord in Hinterkaifeck, Gemeinde Wangen
verübt am 31.III. auf 1. IV. 1922.



I. Zur Vorgeschichte


1. Die Landwirtseheleute Karl G a b r i e l und Viktoria
G a b r i e l, letzt. Geb. Gruber, besaßen das im Grundbuch
Wangen Bd. I S. 272 vorgetragene Einödanwesen Hinterkaifeck,
Ortschaft Gröbern, Gde. Wangen, in allgemeiner Gütergemein-
Schaft aufgrund Ehevertrags zu Urkunde des Notariats Schroben-
hausen vom 11.III.1914 G.R.No. 399. Es wurde von der Ehefrau
Viktoria Gabriel in die Ehe gebracht, - ihr von ihren Eltern
Andreas und Zäzilia Gruber übergeben – und ist im Ehevertrag
auf 5000 Mark angeschlagen.


Karl G a b r i e l , der zum Res.Inf.Reg.No.13 im Weltkriege
eingezogen war, ist am 12. Dezember 1914 im Gefecht bei Neuville
gefallen. Laut Erbschein des Amtsgerichtes Schrobenhausen aus-
gestellt unterm 11.Dezember 1922 –an Stelle des eingezogenen
Erbscheins vom 19.Februar 1915-, wurde Karl Gabriel aufgrund
des Gesetzes von seiner Witwe Viktoria Gabriel in Hinterkaifeck
zu einem Viertel und von seiner Tochter Zäzilie Gabriel zu drei
Viertel beerbt. (Nachlaßakten des Amtsgerichts Schrobenhausen
N.R.No.188/14).


2. Viktoria Gabriel, geb. Gruber, hatte vor ihrer Verehelichung und
zwar in der Zeit von 1907 bis Sommer 1910, also von ihrem 16. Lebens-
jahre ab, mit ihrem leiblichen Vater Andreas Gruber außer-
ehelichen Geschlechtsverkehr gepflogen und wurden durch Urteil der
Strafkammer des Landgerichts Neuburg a.D. vom 28.Mai 1915, Andreas
Gruber hiewegen zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr,
Viktoria Gabriel zur Gefängnisstrafe von einem Monat verurteilt.
Beide haben die Strafe verbüßt. (Akten des Landgerichts Neuburg
Str.P.Reg.No.105/15).


3. Viktoria G a b r i e l hat sich nicht wieder verheiratet . Im
Jahre 1919 wurde sie schwanger und gebar am 7.September 1919
Einen Knaben, als dessen Erzeuger sie den damals noch
ledigen Landwirt Lorenz Schlittenbauer von Gröbern bezeichnete.
Während der Schwangerschaft der Viktoria Gabriel mit diesem
Kinde ging bereits das Gerücht, dass der Vater dieses Kindes der
leibliche Vater der Kindsmutter, Andreas Gruber sei. Dieses
Gerücht fand besonders Nahrung durch Aeusserungen des Schlitten-
bauer, daß er die Vaterschaft nicht anerkennen werde. Andreas
Gruber ließ zwar wegen des Gerüchtes dem Schlittenbauer einen
Brief schreiben, daß er ihn als Urheber des Gerüchts verklagen
werde, hat aber eine Klagestellung gegen Schlittenbauer unter-
lassen.

Schlittenbauer zeigte nun seinerseits unterm 10.9.1916
Gruber und dessen Tochter wegen Blutschande an und machte geltend,
daß ihm Viktoria Gabriel selbst zugestanden habe, dass sie mit
ihrem Vater Geschlechtsverkehr gehabt habe. Er machte weiter
geltend, dass Gruber von ihm 3000 Mark für das Kind fordere, ob-
wohl er, -Schlittenbauer, und Gruber vereinbart hätten, dass er
für das Kind aber nichts zu bezahlen brauche. Trotzdem hat
Schlittenbauer zu Protokoll des Vormundschaftsgerichts Schroben-
hausen vom 30.September 1919 die Vaterschaft zu diesem Kinde an-
erkannt und sich zur Zahlung einer Abfindungssumme von 1800 Mark
verpflichtet, offenbar nur deswegen, weil ihm Andreas Gruber und
Viktoria Gabriel die nur zum Schein verlangte Abfindungssumme
von 1800 Mark selbst zur Verfügung gestellt haben. Als Vormund
wurde der Vater der Kindsmutter, Andreas Gruber bestellt, der das
Abfindungsangebot mit Zustimmung des Vormundschaftsgerichts ange-
nommen hat.


(Vormundschaftsakten des Amtsgerichts Schrobenhausen betreffend
Gruber Josef V.V.216/19).


Damit steht auch im Zusammenhang die Aussage des
Schlittenbauer als Zeuge vor dem Ermittelungsrichter Schrobenhausen
vom 25.September 1919, in welcher Schlittenbauer seine Beschuldigung
gegen die Gruber und Gabriel zurücknahm. Auf Grund dieser Aussage
wurde Andreas Gruber, der am 13.9.19 in Untersuchungshaft ge-
nommen war, am 27.9.19 aus der Untersuchungshaft entlassen.
Auf Antrag der Staatsanwaltschaft beim Landgerichte
Neuburg vom 8.10.19 wurde Schlittenbauer unterm 23.10.19 gemäß
§ 65 Abs.III St.P.O. als Zeuge gesetzlich beeidigt. Er gab bei
seiner Vernehmung an, dass seine Anzeige voll und ganz der Wahr-
heit entspreche und er bei seiner Vernehmung am 23.September 1919
die Unwahrheit gesagt habe, weil die Viktoria Gabriel ihn zur
Zurücknahme seiner Behauptungen veranlasst habe und Gruber ihm in
Aussicht gestellt habe, er werde ihm die Sache möglichst leicht
Machen, wenn er nur die Vaterschaft annehme.


Damit erklärt sich auch die bei der im Jahre 1919 schon
bestehenden Geldentwertung auffallend niedrige Abfindungssumme
von 1800 Papiermark. Schlittenbauer gibt zudem an, dass er die
Viktoria Gabriel habe heiraten wollen, als er von ihrer Schwanger-
schaft hörte, dass aber deren Vater Andreas Gruber die Heirat
verhindert habe.


Auf erhobene Anklage vom 31.Dezember 1919 wurden Gruber
und Gabriel freigesprochen, da das Gericht bei dem Wechsel der
Angaben des Schlittenbauer, trotzdem er schliesslich seine be-
lastenden Angaben auf Eid genommen hatte, dessen Aussage doch
nicht als genügende Grundlage zu einer Verurteilung erachtet hat.
Eine Entschädigung für erlittene Untersuchungshaft wurde dem
Andreas Gabriel nicht zugebilligt. (Akten Landgerichts Neuburg a.D.
Str.P.R.1920 No.9.)
Schlittenbauer hat sich am 1.Mai 1921 mit seiner jetzigen
Ehefrau verheiratet. Er besaß schon zu der Zeit, als er sich mit
der Viktoria Gabriel einließ, also anfangs oder ende 1918, das
elterliche Anwesen in Gröbern.


4. In der Nacht vom 31.März auf 1.April wurden die sämtlichen Be-
wohner des Anwesens in Hinterkaifeck von unbekannten Tätern er-
mordet und zwar
a) Andreas Gruber, Austrägler, der Vater der Anwesensbesitzerin
b) Zäzilia Gruber, dessen Ehefrau, die Mutter der " "
c) Viktoria Gabriel, Anwesensbesitzerin
d) Zäzilia Gabriel, Tochter der Viktoria Gabriel, 9 Jhr. alt
e) Josef Gruber, unehel.Kind der Vikt.Gabriel, 2½ Jahre alt
f) Maria Baumgartner, Magd bei Viktoria Gabriel; sie war erst
wenige Stunden vor ihrer Ermordung als Dienstmagd auf dem
Anwesen eingestanden.


Laut Erbschein des Amtsgerichts Schrobenhausen vom
7.Juni 22 wurde Viktoria Gabriel auf Grund Gesetzes beerbt von
1.    Zäzilia Starringer, Gütlersfrau in Gerenzhausen zu Hälfte
2.    Anna Gruber, Dienstmagd in Greinstetten
3.    Josef Gruber, Taglöhner in Pfaffenhofen
4.    Bernhard Gruber, Gütler in Strobenried zu je einem Zehntel
5.    Josef Starringer, Gütlerssohn in Schachach
6.    Maria Starringer, Dienstmagd in Lichthausen zu je einem Zwanzigstel
7.    Therese Gruber, Gütlerstochter in Grünstetten
8.    Marie Wagner, geb. Gruber, Sattlersfrau in Grüntegernbach
9.    Leonhard Gruber, Gütlerssohn in Grünstetten
10.    Peter Gruber, Gütlerssohn in Grünstetten
11.    Michael Gruber, Gütlerssohn in Grünstetten zu je einem Fünfzigstel.
Gabriel Karl, Gütler von Laag, der Vater des ver-
storbenen bezw.gefallenen Karl Gabriel, des Ehemanns der Viktoria
Gabriel, wollte durch Anfechtung des Erbscheins erreichen, daß das
Kind Zäzilia Gabriel als nach dem Tod der Mutter verstorben erachtet
werde und somit auch ihm als Grossvater ein Erbrecht am Nachlass
zustehe.


Seine Beschwerde und weitere Beschwerde gegen den Erb-
schein wurde mit Beschluss des Landgerichts Neuburg a.D. vom
30.Juni 22 und mit Beschluss des Obersten Landgerichts München
vom 29.Juli 1922 als unbegründet verworfen.
(Nachlassakten des Amtsgerichts Schrobenhausen N.R.No.41/43/22.)


Auch ein Antrag des Karl Gabriel vom 14.Juni 1922 an das
Landgericht Neuburg auf Erlassung einer einstweiligen Verfügung
dahingehend, dass den im Erbschein aufgeführten Personen zu Gunsten
des Anspruchs des Karl Gabriel gegen diese auf Herausgabe des be-
weglichen und unbeweglichen Nachlasses je bei Meidung einer Frei-
heitsstrafe für jeden Zuwiderhandlungsfall verboten werden soll,
über den beweglichen und unbeweglichen Nachlass der Viktoria Gabriel
zu verfügen, wurde mit Beschluss des Landgerichts Neuburg vom 19.Juni1922
als unbegründet zurückgewiesen.


Auf Beschwerde wurde der ohne mündliche Verhandlung er-
lassene Beschluss aufgehoben und mündliche Verhandlung über den
Antrag angeordnet.
(Beschluss des Oberlandesgerichts Augsburg vom 13.Juli 1922).


Die Verhandlung erübrigte sich auf Grund des unterm
29.Juli 1922 ergangenen Beschlusses des Obersten Landesgerichts
München über die Rechtsgültigkeit des Erbscheins v.7.Juni 1922
(Akten des Landgerichts Neuburg Gabriel gegen Starringer wegen
einstweiliger Verfügung C 158/22).


Der Antrag wurde schliesslich wegen aussergerichtlicher
Erledigung zurückgenommen.


Nach weiteren aussergerichtlichen Verhandlungen haben
Gabriel und dessen Söhne schließlich mit den Erben sich dahin
geeinigt, daß diese ihm das Anwesen käuflich überlassen haben.
Gabriel hat dann das Anwesen niedergerissen und sich auf
seinem Anwesen in Laag mit dem Abbruchmaterial einen neuen
Stadel gebaut.


5. Der Nachlaß bestand ausser in dem Anwesen H.Nr.27½ in
Kaifeck ausweislich des unterm 6.April 1922 aufgenommenen not.
Inventars und ausweislich der Hinterlegungsverfügung des Amts-
gerichts Schrobenhausen vom 5.April 1922 über die beim Augen-
scheinstermin vorgefundenen Geldvorräte, Wertpapiere und Kost-
barkeiten aus folgenden Vermögensstücken:

Abschrift.


Schrobenhausen, den 5.April 1922


E  r  s  u  c  h  e  n
an die Hinterlegungsstelle des Amtsgerichts Schrobenhausen


anzunehmen in Sachen Raubmord an Gruber Andreas, seiner Frau, deren Tochter Gabriel, deren 2 Kinder und ihrer Magd in Gröbern.

I. In Bar:
•    1. in Gold (20 Markstücke) 1780.00 M
•    2. in Gold (10 " " ) 100.00 "
•    3. in Silber
a) in 5 M.Stücken 120.00 "
b) in 3 M.Stücken 42.00 "
c) in 1 M.Stücken 159.00 "
d) in 2 M.Stücken 6.00 "
•    4. in Papier 5.00 "
•    5. in Aluminium
a) in 50 Pfg.Stücken 7.00 "
b) in 1 " " 0.08 "
•    6. in Nickel
a) in 10 Pfg.Stücken 1.50 "
b) in 5 " " 0.60 "

•    7. in Kriegszehnpfennigstücken 5,10 "
in Kriegsfünfpfennigstücken 1.90 "

II. In Pfandbriefen:
1 Stück b.Handelsbank J 70344 zu 1000.00 "
3 Stück Pfälz.Hyp.Bank 65 B/4886 zu 1000.00 "
" " " 67 B/2733 zu 1000.00 "
" " " 67 B/2734 zu 1000.00 "
1 " Bay.Bodenkredit 16 B 228024 zu 1000.00 "
1 " " " " 16 C 229366 zu 500.00 "
1 " Hyp.u.Wechselbank Mn.P 336476 zu 1000.00 "
1 " Mitteld.Bodenkredit 3 D 22 zu 3000.00 "
1 " Eisenbahn Frankfurt a.M. C 5287 zu 1000.00 "
1 " Kriegsanleihe E 4010652 zu 200.00 "
1 " " " E 4010653 zu 200.00 "
1 " " " C 11785037 zu 1000.00 "
1 " " " C 11785038 zu 1000.00 "
1 " Ungar.Lokaleisenbahn II 24 1000.00 "
1 " " " II 2439 200.00 "


Die bisher aufgeführten Pfandbriefe sind ohne Zins und Er-
neuerungsscheine.
•    1 Stück Ungar.Lokaleisenbahn Vo 8377 mit Zinsscheinen vom
1.7.19 und Erneuerungsschein 1000.—M.
•    Depotschein Nr.19 des Bankgeschäftes Friedr.Dumler vom
18.12.19.


III. Kostbarkeiten:
•    1 silb. Herrenuhr mit Stahlkette,
•    1 silb. Herrenuhrkette mit Taler und Goldschieber,
•    1 Nickelkette,
•    1 Uhrkette mit Hufeisen,
•    1 Viligranrosenkranz,
•    1 silb.Uhrkette,
•    7 wertlose Medaillen,
•    1 Herrenuhr mit Gehäuse,
•    1 Damenuhr mit Zelluloidgehäuse,
•    1 wertlose Broche,
•    1 außer Kurs gesetztes silb.20 & Stück,
•    1 weit.silb.Damenuhr,
•    1 silb.Halskettchen,
•    2 Perlenschnüre,
•    1 wertloses Halskettchen,
•    2 goldene Ringe mit Opalsteinen und zwei Eheringe,
•    1 Broche mit Korallen,
•    1 lange silberne Halskette,
•    1 kurzes silb.Kettchen mit Anhänger,
•    1 gelbe lange Uhrkette,
•    1 kurze Halskette mit Anhänger aus Silber,
•    1 weiter silb. Kettchen mit Anhänger,
•    1 silb. Halskette auf Karton,
•    1 Paar goldene Ohrringe.

IV. Kontobuch

für Andreas Gruber bei der Fa.Friedel u.Co. über 3000.-M Einlage,

•    Sparbuch des Darlehenskassenvereins Weidhofen
•    für Josef Gabriel II Haupt.S.75 Konto Nr.75,
•    Lebensvers.Schein des allgem. deutschen Vers.Vereins Stuttgart Nr.279127,
•    Sparbuch für Josef Gruber des Darl.K.Vereins Weidhofen IV Hauptb.S.113,
•    Sparbuch für Zäzilie Gabriel, Darl.K.Vereins Weidhofen Haupt.S.174,
•    fünf Lose der 40.Pferdelotterie Nr.131514, 13152?,214850, 28286, 106070.

Schrobenhausen,den 5.April 1922.
gez.Wiessner, Oberamtsrichter.
G.R.No.484.


Vermögensverzeichnis
aufgenommen vom Justizrat Notar Albert Stinglwagner
in Schrobenhausen etc. etc. etc.


In der Wohnstube:
einen Regulator, einen Spiegel, einen Glaskasten mit Krügen und
Gläsern, zwei Tische, zwei Stühle, vierzehn Bildern eine Schüssel-
rahme mit Schüsseln und Teller,


In der Küche:
eine kleine Standuhr, zwei Bänke, 1 Schüsselrahme mit Geschirr,
eine große Nudelpfanne, 1 Beil,


Im Gange:
ein Kasten mit Arbeitskleidern, zwei Hacken, eine Gabel, eine
Peitsche, 1 Krautfaß, ein alter Küchenkasten, ein Locheisen,
mehrere Ketten, 1 Kehrbesen, ein Milchkasten mit 2 Weitlingen,


In der hinteren Kammer:
ein Rübenschneider, ein Rübenstoßeisen, ein Schäffel, zwei Paar
Holzschuhe,


Im Keller:
ungefähr zweihundertfünfzig Zentner Kartoffel und ungefähr 10 t
Futterrüben,


Im Stalle:
zwei Ochsen, zwei Stiere, vier Kühe, drei Jungrinder, zwei
Kalbinnen, drei Kälber, zwei Ferkel, bei Lorenz Schlittenbauer
Gröbern untergebracht, ungefähr 25 Hühner, zwei Tränkeimer, ein
Milchkübel,


In der Schneidkammer:
eine Schrotmühle, ein Rechen, ein Besen, ein leeres Faß, ein
Schäffel mit Surfleisch, Säcke, ca. fünfzehn Zentner Kunstdünger,


Im Stadel:
eine Gsottmaschine für Kraft, eine Gsottmaschine für Handbetrieb,
eine Windmühle, ein Zwanziglitermaß, zwei Steigleitern, zwei Heu-
leitern, zwei Heuwagen, ein Dreschwagen, ein Odelfaß, 2 Ochsen-
geschirre, ein Düngerkarren, zwei hintere Kopfen, zwei Drahtkörbe,
eine Getreidereuter,


In der Wagenschupfe:
zwei Wagen mit Brettern, eine Steigleiter, ein Kipfstock, ein
eiserner Rechen, verschiedene alte Oekonomiegeräte,


Ueber der Wagenschupfe:
ein neuer Dampfer, eine Tafel Blech, vier neue eiserne Fenster-
stöcke, zwei Transmissionsstangen, ein Fuhrschlitten, eine Winde,


Im Hofraum:
ein Zuber, drei Ochsengeschirre, drei eiserne Stallsäulen,
vier Eggen, zwei Pflüge, zwei Kiebkeule, ein Backtrog, zwei ??-
wagen, zwei Sägen,


Im Schlafzimmer:

zwei Betten mit Bettstellen, ein Kanape, acht Bildertafeln, eine
kleine Wanduhr, eine Weckeruhr,


Im Schranke:
zwei Ueberzieher, ein Männeranzug, fünf Frauenkleider,zwei Regen-
schirme, neun Wachskerzen, fünf Wachsstöcke, eine Rolle Guttapercha,
eine Pelzstola, zwei wollene Decken, zwei Bücher religiösen Inhalts,


Im weiteren Schranke:
sieben Frauenkleider, zwei Schürzen, zwei Kopftücher, ein schöner
Schurz, ein seidenes Kopftuch, fünf Gebetbücher, drei Paar Damen-
schuhe, zwei Kruzifixe, zwei Leuchter,


auf dem Kanape:
ein Marktkorb, zwei Handkörbchen, weiters sind in der genannten
Kammer:
eine Nähmaschine, eine Kinderbettstelle mit Bett, ein Regenschirm,
eine Buttermaschine, ein neuer emaillierter Hafen, eine Kaffee-
maschine, ein Fußschemel, ein Waschkorb. In einem weiteren Kasten
sind dann vorhanden:
zwölf Frauenkleider, dieser Kasten und der in diesem Zimmer sich
befindliche Waschkasten sind mit Leib- und insbes.Bettwäsche ange-
füllt.


Auf dem Dachboden befinden sich:
ungefähr 50 Zentner angeschütteter Haber, desgleichen vierzig Zentner
Korn, dreiundzwanzig Zentner Roggen in Säcke gefaßt, fünf Zentner
Wicken, drei Ztr.Sommerklee, ungefähr 2 Ztr.Weizen, eine Gestell-
waage mit Gewichten, eine neue Bettlade mit Matratze, ein
alter leerer Kleiderschrank, neunzehn Stück Geräuchertes, ein Getreide-
sieb, eine Mehltruhe mit Mehl, fünf Sensen, zwei Kornvachtel, zwei
Sensenstiele, drei Riemenscheiben, vier Riemenschmierlager, zich
Posten Heuseile, Stricke, Strange. Die Aufsicht hat der Bruder des
ermordeten Andreas Gruber, namens Leonhard Gruber, Gütler in
Strobenried übernommen.
Ein Kleiderschrank und der Wäscheschrank im Schlafzimmer
ferner das Schlafzimmer selbst wurden in Gegenwart der bezeichneten
Personen versiegelt und ein Kleiderschrankschlüssel sowie der
Schlafzimmerschlüssel in Verwahr genommen. Geld Wertpapiere und
Kostbarkeiten wurden nicht gefunden.



II. Die Mordtat und ihre näheren Umstände nach den bisherigen Erhebungen.

1. Das Anwesen von Hinterkaifeck, in welchem die Mordtat verübt
wurde, ist im Jahre 1923 nach und nach abgebrochen worden, sodaß
zur Zeit gar nichts mehr vom Anwesen ersichtlich ist. Nur eine Ge-
denksäule gibt Kenntnis davon, daß an dieser Stelle die Mordtat
verübt worden ist.


Nach dem Augenscheinsprotokoll und den diesen beigegebenen
Skizzen, ergänzt durch die unterm 25.September 26 von Lorenz
Schlittenbauer gegebenen Erläuterungen stand das Anwesen vollkommen
isoliert auf einer freien Fläche, die im weiteren Umkreis fast völlig
von Wald umgrenzt ist.


(Siehe Lageplan Beilage zu Bl.172 der Hauptakten A 169/22). Die
nächsten Anwesen in Laag (Gabriel Karl), Vorderkaifeck (Lebmaier)
und die Ortschaft Gröbern sind je 10 – 15 Minuten vom ehem.Hinter-
kaifecker Anwesen entfernt.


Das Anwesen bestand aus dem Wohnhaus und Stallgebäude, beide
unter einem Dach, und der angebauten Scheune mit Futterkammer und
Motorhütte und anstossendem Stadel –Maschinenhaus-, beide wiederum
unter einem Dach und mit dem Stall durch eine Türe verbunden. Außerdem
war noch eine freistehende Schupfe vorhanden (siehe Anwesens-Skizze).
Ueber sämtlichen unteren Räumlichkeiten zog sich ein durch
keine Zwischenmauer unterbrochener Boden hin.


Nach den Erhebungen hat der Austrägler Andreas Gruber am
30.März 1922, ein Donnerstag, vormittags noch mit dem in der Nähe
ackernden Landwirt Lorenz Schlittenbauer von Gröbern und später mit
Landwirt Kaspar Stegmeier von Gröbern gesprochen und ihnen mitgeteilt,
dass bei ihm in der Nacht nach den in dem leichten xxxxxxx über
Nacht gefallenen Schnee ersichtlichen Spuren ein Einbruch versucht
worden sein soll, wobei die Diebe in die Motorhütte eingedrungen sein
sollen, da sich in dieser noch Schneespuren fanden. Da aber die Motor-
hütte nur einen Zugang von aussen und keinen Zugang zu den übrigen
Räumen des Anwesens hat, konnten die Diebe von da aus nicht in das
Anwesen gelangen und sollen ihr Heil dann an der ausseren Futter-
kammertüre, das ist an der äusseren Türe zu dem Raum, der an die
Motorhütte und den Stadel stösst, versucht haben! Auch soll Gruber
nach den Angaben dieser Zeugen angegeben haben, dass ihm ein Haus-
schlüssel abgehe.


In den folgenden Tagen gingen verschiedene Personen am
Anwesen vorbei und bemerkten wohl eine auffallende Ruhe auf dem
Anwesen; es wurde aber von niemand Anlass genommen, sich im Anwesen
umzusehen, da die Anwesensbewohner überhaupt sehr zurückgezogen leb-
ten und mit niemanden eigentlich einen Verkehr hatten. Insbesonders
galt der alte Gruber als geizig und menschenscheu.


Am Dienstag, den 4.April 1922 kam im Laufe des Nachmittags
der Monteur Hofner an das Anwesen, da er den Auftrag hatte, am
Motor eine Reparatur vorzunehmen, er klopfte wiederholt und machte
sich bemerklich; es ließ sich aber niemand sehen. In das Anwesen
hineingegangen ist der Monteur nicht. Da er annehmen musste, dass
die Bewohner vielleicht in dem nahen Holz seien, öffnete er die
Motorhütte und nahm die Reparatur vor. Sodann entfernte er sich
wieder und verständigte auf dem Rückweg über Gröbern die Töchter
des Lorenz Schlittenbauer davon, dass er im Anwesen habe niemand
treffen können, und trug ihnen auf, dem Anwesensbesitzers sagen zu
lassen, dass der Motor in Ordnung gebracht sei. Es fiel nun auf,
dass im Anwesen etwas nicht in Ordnung sein müsse, weil sich nichts
rührte. Daher begab sich der Landwirt Lorenz Schlittenbauer mit
Landwirt Jakob Sigl und dem Gütler Michael Pöll von Gröbern zum
Anwesen. Sie drangen durch das äussere Tor des Maschinenhauses
(d.i.der Stadel), in welchem sich die Futterschneid- und andere
Maschinen befanden und von da in den an den Stall anstossenden
Getreidestadel, d.h. die Tenne ein, wobei Sigl in der Ecke, wo
die Motorhütte und die Türe zum Stall anstösst, über etwas stolperte.
Bei Nachschau ergab sich, dass dies ein Haufen Heu sei, unter dem
eine Holztüre lag; unter dieser Holztür lagen 4 Leichen, nämlich
die des Andreas und der Zäzilia Gruber, der Viktoria Gabriel und
der Zäzilia Gabriel. Im stalle war ein Stück Vieh ledig. Während
Sigl und Pöll, weil es ihnen graute, das Anwesen verliessen, drang
Schlittenbauer von der Tenne aus durch die Türe in den Stall vor
und von da aus in das Anwesen d.h. das Wohnhaus und sperrte die
Haustüre auf, worauf Sigl und Pöll wieder eintraten. Schlittenbauer
hatte beim weiteren Vordringen in das Haus die Bemerkung gemacht,
er müsse noch suchen, wo sein Bub (das uneheliche Kind Josef Gruber
der Viktoria Gabriel) sei. Sie fanden im Schlafzimmer in dem Kinder-
wagen, dessen Dach durchschlagen war, das Kind mit eingeschlagenem
Kopfe vor. In der Kammer neben der Wohnstube und Küche fanden sie
sodann die Leiche der Magd ebenfalls mit eingeschlagenem Schädel.
Es wurde nun sofort die Gendarmerie verständigt. Noch am Dienstag
den 4.April 1922 nachts und am Mittwoch den 5.April 1922 fand sich
sodann eine Gerichtskommission zur Augenscheinseinnahme ein. Bei
der Augenscheinseinnahme wurde auch noch am 4.April 1922 im Futter-
barren eine schwere Kreuzhacke gefunden, die aber keine Blutspuren
trug, zumal sie vom Vieh beleckt worden ist. Ihre spätere Unter-
suchung ergab keine nachweisbaren Blutspuren. Auf dem Boden über
dem Maschinenhaus lagerte Stroh, in welchem Vertiefungen ersichtlich
waren, als wenn jemand im Stroh gelegen hätte. Von diesem Boden
hing ein am Dachboden festgeknüpftes fingerdickes Seil in das
Maschinenhaus herunter; diese sollte offenbar dazu dienen, daß man
sich von dem oberen Boden in den unteren Raum des Stadels herab-
lassen konnte.


Bei der nochmaligen Besichtigung am 5.April 1922 wurde
insbesondere bemerkt, dass auf dem Dach an 2 verschiedenen Stellen
und zwar sowohl auf dem Scheunendach, wie auch auf dem Hausdach
eine Dachziegel zurückgenommen war, sodass man von dort aus den Hof
übersehen konnte. An der Färbung des weiter unten liegenden Ziegels
war zu erkennen, dass diese Dachziegel erst vor kurzer Zeit zurück-
gezogen worden sein mussten, weil, soweit der zurückgezogene
den weiter unten liegenden Ziegel bedeckt hatte, der unten liegende
Ziegel vollständig neu und hellrot und unverwittert, im übrigen
verfärbt und verwittert aussah.


Nach den Erhebungen kann kein Zweifel sein, daß die Er-
mordung der sämtlichen Hauseinwohner in der Nacht vom 31.März
(Freitag) auf den 1.April 1922 (Samstag) erfolgt ist, da am Donners-
tag, den 30.März der alte Gruber noch mit Stegmeier und Schlitten-
bauer gesprochen hatte, am 1.April aber verschiedene vorübergehende
Personen schon die auffallende Stille auf dem Anwesen und die
vermeintliche Abwesenheit der Anwesensinwohner bemerkt hatten.
Ein Zeuge, Michael Plöckl, der am Samstag, den 1.April
morgens, sodann am gleichen Tag des Abends wieder am Hinterkaifeck-
Anwesen vorbeigegangen ist, will bemerkt haben, dass am Morgen die
Backofentüre geschlossen, abends aber ungefähr halb offen war und
dass am Abend der Kamin etwas geraucht haben soll; auch will er an
dem Wald, der in der Nähe des Anwesens bis nahe an die Strasse
geht, am Abend ein aufblitzendes Licht, wie etwa von einer Taschen-
laterne kommend, bemerkt haben.


Nach der Aufnahme der vorhandenen Fahrnis, Wertpapiere,
Schmucksachen etc. lässt sich schwer feststellen, was den Tätern
an Geld u. Wertsachen in die Hände gefallen ist. Nachdem noch ziem-
lich viel Gold- und Silbergeld, aber wenig Papiergeld vorhanden
scheint den Dieben jedenfalls das in der Brieftasche vorhanden
gewesene Papiergeld in die Hände gefallen zu sein. Nach dem Befund
war in der Wohnung eigentlich nichts durchwühlt, mit Ausnahme des
Schlafzimmer, wo der oder die Täter einige Zeit herumgesucht haben
müssen; denn in dem einen der im Zimmer stehenden Betten lagen
vom Oberbett verdeckt, mehrere Schlussnoten und sonstige beschriebene
Papiere, ein Notizbuch, eine geleerte Brieftasche und eine Damenuhr.
Die Gerichtskommission fand dagegen noch vor: Gold- und Silbergeld,
einen Fünfmarkschein, verschiedene Pfandbriefe, Schmucksachen und
Sparbücher. Auf das zu Ziffer I No.5 (Seite 7) angefertigte Ver-
zeichnis wird Bezug genommen.


In der Räucherkammer, die sich auf dem Dachboden oberhalb
der Küche befand, hingen noch 10 – 12 Stück Rauchfleisch; von einem
war die Hälfte weggeschnitten; ob noch weitere ganze Stücke abge-
kommen sind, liess sich nicht feststellen, ist aber wohl möglich.
Schlittenbauer hatte am 4.April 1922 abends nach Ent-
deckung der Mordtat noch das Vieh und den Hund gefüttert, da diese
längere Zeit gefüttert war, wie aus dem kläglichen Brüllen
und dem Bellen und Winseln des Hundes zu entnehmen war.
Nach dem Zustand der Leichen, nach ihrer Bekleidung muss
wohl angenommen werden, dass die Tat um die Zeit des Schlafengehens
der Inwohner verübt worden ist, namentlich liess dies die Be-
kleidung des Gruber und die Lage der Leiche der Magd Maria Baumgartner
vor dem Bett, das sie offenbar eben abdecken wollte, als sie nieder-
geschlagen wurde, erkennen.


Es dürfte anzunehmen sein, dass der Austrägler Gruber da-
durch in den Stall gelockt wurde, dass ein Stück Vieh im Stall los-
gemacht wurde, dass er dann in der Stadeltenne vor Betreten des
Stalles niedergeschlagen wurde und dass auf gleiche Weise die anderen
Personen, deren Leichen in der Tenne gefunden wurden, ums Leben ge-
bracht worden sind. Tatsächlich war, als die 3 Landwirte von Gröbern
am 4.4.1922 gegen abend in das Anwesen eindrangen, ein Stück Vieh
nicht angekettet, bewegte sich vielmehr frei im Stalle.

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Die historischen Akten

Dank der Hilfe vieler User aus dem Forum von hinterkaifeck.net sind nun wesentliche Teile der in Augsburg und München eingelagerten Akten über den Mordfall erstmals zugänglich und können hier online eingesehen werden.

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Der "FFB-Bericht"

Der im Jahr 2007 an der Fachhochschule für Verwaltung und Recht in Fürstenfeldbruck bei München erstellte Bericht über den Mordfall Hinterkaifeck ist hier erstmals öffentlich zugänglich.

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Sterbebildchen

Das im Kirchlein Sankt Vitus in einem alten Kirchenbuch gefundene Bildchen der Hinterkaifecker Opfer gibt auch heute noch Rätsel auf.

Lesen Sie hier, warum...


Danksagung

Der Dank der Betreiber dieser Seiten richtet sich für ihre inhaltliche Zu- und Mitarbeit an alle "Privatermittler", welche den Mordfall Hinterkaifeck durch ihr privates Engagement und erheblichen Rechercheaufwand nicht in Vergessenheit geraten lassen.

 

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